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Mietrendite berechnen: Zinshaus-Kalkulation Schritt für Schritt

8. April 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

Die Rendite ist die zentrale Kennzahl bei jeder Zinshaus-Investition. Doch „Rendite“ ist nicht gleich Rendite: Bruttorendite und Nettorendite können erheblich voneinander abweichen. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie beide Kennzahlen korrekt berechnen — inklusive einer konkreten Beispielrechnung für ein Zinshaus in Wien-Ottakring.

1. Bruttorendite vs. Nettorendite

Die beiden wichtigsten Renditekennzahlen unterscheiden sich fundamental:

Bruttorendite

Die einfachste Kennzahl: Jahresmiete geteilt durch Kaufpreis. Berücksichtigt keine Kosten — dient als erste Vergleichsgröße und Filterkennzahl.

Nettorendite

Die aussagekräftigere Kennzahl: Berücksichtigt Bewirtschaftungskosten, Instandhaltung, Verwaltung und Leerstand. Zeigt die tatsächliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

Faustregel: Die Nettorendite liegt bei Wiener Zinshäusern typischerweise 1,0–1,5 Prozentpunkte unter der Bruttorendite. Ein Objekt mit 3,5 % Bruttorendite liefert also real etwa 2,0–2,5 % Nettorendite — vor Steuern und Finanzierungskosten.

2. Bruttorendite berechnen

Formel

Bruttorendite = Jahresmieteinnahmen ÷ Kaufpreis × 100

Beispiel: €84.000 Jahresmiete ÷ €2.800.000 Kaufpreis × 100 = 3,0 % Bruttorendite

Was zählt zu den Jahresmieteinnahmen?

  • Nettomieten aller Wohnungen (ohne Betriebskosten-Anteil der Mieter)
  • Nettomieten aller Geschäftslokale
  • Einnahmen aus Garagenplätzen, Werbeflächen, Antennen
  • Nicht: Betriebskosten-Einnahmen (die werden durchgeleitet)

Wichtig beim Kaufpreis: Für eine saubere Berechnung verwenden Sie den Gesamtkaufpreis inklusive Nebenkosten (Grunderwerbsteuer 3,5 %, Grundbucheintragung 1,1 %, Notar/Rechtsanwalt ca. 1–2 %, ggf. Makler 3 % + USt). Das ergibt in Summe etwa 9–11 % Kaufnebenkosten.

3. Nettorendite berechnen

Formel

Nettorendite = (Jahresmiete − Bewirtschaftungskosten) ÷ Gesamtinvestition × 100

Die Bewirtschaftungskosten setzen sich aus folgenden Positionen zusammen:

  • Nicht umlegbare Betriebskosten: Hausverwaltung, Versicherung (Eigentümer-Anteil), Grundsteuer — ca. 5–8 % der Mieteinnahmen
  • Instandhaltungsrücklage: Laufende Reparaturen und mittelfristige Sanierungen — ca. 10–15 % der Mieteinnahmen bei Altbauten
  • Verwaltungskosten: Hausverwaltung, Buchhaltung, Rechtsberatung — ca. 3–5 % der Mieteinnahmen
  • Leerstandsrisiko: Kalkulatorischer Abzug für Fluktuation und Neuvermietung — ca. 3–5 % der Mieteinnahmen

Gesamte Bewirtschaftungskosten: In Summe typischerweise 20–30 % der Bruttomieteinnahmen bei einem Wiener Zinshaus. Bei älteren, sanierungsbedürftigen Objekten auch höher.

4. Beispielrechnung: Zinshaus in Wien-Ottakring

Konkretes Rechenbeispiel für ein typisches Gründerzeit-Zinshaus im 16. Bezirk:

Objektdaten

  • Kaufpreis: €2.400.000
  • Kaufnebenkosten (ca. 10 %): €240.000
  • Gesamtinvestition: €2.640.000
  • Nutzfläche: ca. 850 m² (12 Wohneinheiten, 2 Lokale)
  • Jahresmiete netto: €78.000

Bruttorendite

€78.000 ÷ €2.400.000 × 100 = 3,25 %

Mit Nebenkosten: €78.000 ÷ €2.640.000 × 100 = 2,95 %

Nettorendite

  • Jahresmiete netto: €78.000
  • − Nicht umlegbare BK (7 %): −€5.460
  • − Instandhaltung (12 %): −€9.360
  • − Verwaltung (4 %): −€3.120
  • − Leerstand (4 %): −€3.120
  • = Reinertrag: €56.940

€56.940 ÷ €2.640.000 × 100 = 2,16 % Nettorendite

Diese 2,16 % sind die tatsächliche Verzinsung vor Steuern und Finanzierungskosten. Durch Fremdfinanzierung (Leverage-Effekt) kann die Eigenkapitalrendite deutlich höher liegen — allerdings steigt damit auch das Risiko.

5. Was ist eine gute Rendite?

Die Antwort hängt von der Lage und der Anlagestrategie ab:

  • Wien Innenstadtlagen (1.–9. Bezirk): 2,0–3,0 % brutto. Niedrige Rendite, aber hohe Wertstabilität und Liquidität.
  • Wien gute Lagen (10.–20. Bezirk): 3,0–4,0 % brutto. Balance zwischen Rendite und Sicherheit.
  • Wien Randlagen (21.–23. Bezirk): 4,0–5,5 % brutto. Höhere Rendite, aber mehr Leerstandsrisiko und geringere Liquidität.

Im Vergleich mit anderen Anlageformen (Stand 2026):

Staatsanleihe Österreich (10J)

ca. 2,8–3,2 %. Risikolos, aber keine Wertsteigerung.

Zinshaus Wien (brutto)

ca. 2,5–4,5 %. Zusätzlich: Wertsteigerung, Inflationsschutz, Steuervorteile (AfA).

Aktienmarkt (langfristig)

ca. 6–8 % p.a. historisch. Höhere Volatilität, kein laufender Cashflow.

Festgeld/Sparkonto

ca. 2,5–3,0 %. Liquide, aber realer Wertverlust nach Inflation.

6. Rendite-Fallen: Worauf achten?

Eine auf dem Papier attraktive Rendite kann in der Praxis enttäuschen. Die häufigsten Fallen:

Richtwertmietzins unterschätzt

Bei Zinshäusern mit MRG-Vollanwendung (Baujahr vor 1945, keine umfassende Sanierung nach 1945) sind die Mieten gesetzlich gedeckelt. Der Richtwert in Wien liegt 2026 bei ca. €7,50/m². Manche Exposés rechnen mit Marktmieten — prüfen Sie die tatsächliche MRG-Anwendbarkeit.

Befristungen laufen aus

Befristete Mietverträge müssen nach Ablauf zu den dann geltenden Konditionen neu abgeschlossen werden. Wenn Richtwertmietzins gilt, kann die Miete nach Auslaufen einer Befristung sinken statt steigen.

Sanierungsstau ignoriert

Ein vernachlässigtes Zinshaus kann auf den ersten Blick eine hohe Rendite zeigen — weil keine Instandhaltungskosten angefallen sind. Doch aufgeschobene Sanierungen (Dach, Steigleitungen, Aufzug, Fassade) werden früher oder später fällig. Kalkulieren Sie mit €150–300/m² für eine umfassende Sanierung.

Leerstand schöngerechnet

Manche Verkäufer rechnen die Rendite auf Basis des Soll-Mietertrags bei Vollvermietung. In der Praxis liegt die Leerstandsquote bei Wiener Zinshäusern bei 3–8 %, in weniger gefragten Lagen auch höher.

Kaufnebenkosten vergessen

Die Bruttorendite auf Basis des Kaufpreises (ohne Nebenkosten) ist ca. 0,3 Prozentpunkte höher als die Rendite auf die Gesamtinvestition. Seriöse Kalkulationen berücksichtigen immer die Nebenkosten.

Die korrekte Bewertung eines Zinshauses — inklusive Ertragswert und Substanzwert — erklärt unser Bewertungs-Ratgeber im Detail. Und wie der Kaufprozess abläuft, finden Sie in unserem Kauf-Ratgeber.

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